WINZIGE WUNDER
DEZEMBER 2025
Als meine Mutter vor knapp 20 Jahren von einem ganz normalen Tauchgang zurückkam, glaubte ihr niemand so recht. Sie erzählte von einer winzig kleinen Garnele – genau so, wie man sich eine Garnele vorstellt, nur noch viel, viel kleiner. Die Reaktion der Buddys? Augenrollen. «Bist du zu tief getaucht?» – Thema erledigt.
Heute bin ich es, die mit Makroausrüstung ins Wasser steigt und gezielt nach diesen Mini-Wundern sucht. Und ja: Sie hatte recht! Die winzigen Garnele sind längst allgegenwärtig. Gleich zwei Arten haben sich im Bodensee etabliert: die Schwebegarnele und die häufigere Donauschwebegarnele. Eingeschleppt aus dem Schwarzmeerraum, leben diese fast transparenten, ca. 10–15 mm Tierchen im Uferbereich bis etwa 5–7 Meter Wassertiefe.
Wer genau hinschaut, entdeckt sie. Streicht man mit der Hand über den Grund, wimmelt es plötzlich vor Bewegung. Nur – wer hat diese kleinen Akrobaten schon einmal im Detail gesehen?
Fotografisch sind sie eine echte Herausforderung: Mit blossem Auge kaum auszumachen, wirken sie bewegungslos fast unsichtbar, bewegen sie sich, dann blitzschnell und ruckartig. Minutenlang regungslos im kalten Wasser zu verharren, gehört deshalb zum Pflichtprogramm. Ich komme meist leicht durchfroren zurück aber wie immer mit einem breiten Grinsen.
«NICHT JEDES BILD IST SCHARF, DOCH DIE ERINNERUNG BLEIBT KLAR.»
Tiere sind oft schneller als erwartet, das Licht macht, was es will, und nicht selten lasse ich mich von der atemberaubenden Aussicht so sehr fesseln, dass ich im entscheidenden Augenblick vergesse den Auslöser zu drücken. Genau deshalb möchte ich euch mitnehmen, nicht nur zu meinen unvergesslichsten Momenten, sondern auch zu unerwarteten Begegnungen, kleinen und grossen Abenteuern sowie charmanten Pannen, auch wenn nicht jedes Bild perfekt ist.