ALTE BEKANNTSCHAFTEN
OKTOBER 2025
Immer wieder lassen sich an den Tauchplätzen im Bodensee sehr grosse Welse blicken. Oft bleiben sie wochen- oder sogar monatelang und tauchen Jahr für Jahr zur gleichen Zeit wieder auf. Und jedes Mal freue ich mich riesig, wenn ich einen entdecke – so sehr, dass ich meist mehrmals zurückkehre.
Es fühlt sich fast ein bisschen wie eine Freundschaft an: Man kennt sich, beobachtet sich, sieht, wie der Wels wächst und gemächlich auf Erkundungstour geht.
So auch dieses Jahr im Oktober. Ein besonders grosser Wels – ungefähr meine Grösse, rund 1,60 m oder sogar grösser – hatte sich bei einigen Baumstämmen niedergelassen. Ich besuchte ihn immer wieder. Er war jedes Mal da, lag ruhig am Boden oder zog friedlich seine Bahnen zwischen den Stämmen.
Eines Tages merkte ich schon aus der Ferne, dass etwas anders war. Plötzlich tauchte ein zweiter, fast genauso grosser Wels auf, schwamm auf mich zu, musterte mich kurz und verschwand im Dunkeln – ziemlich cool.
Als ich weiter zum anderen Wels schwamm, folgte leider eine unschöne Entdeckung: In seinem linken Mundwinkel hing ein Haken, daran ein langes Stahlvorfach mit einer Forelle dran. Kein schöner Anblick. Der Wels wirkte gestresst und verschwand kurz darauf ebenfalls im Dunkeln.
In den Tagen danach kehrte ich immer wieder zurück, doch leider blieb er verschwunden. Erst etwa eine Woche später begegnete ich ihm nochmals. Der Haken war zum Glück weg. 
Seit diesem Tag bin ich dem Wels leider nie wieder begegnet. Umso froher bin ich, ihn wenigstens noch einmal gesehen zu haben und zu wissen, dass es ihm gut geht. Vermutlich war ihm sein neues Zuhause schlicht zu stressig, und er hat sich einen ruhigeren Platz gesucht – hoffe ich zumindest. Solche Begegnungen sind für mich jedenfalls schwer zu ertragen.
Alles Weitere überlasse ich euren eigenen Gedanken.
«NICHT JEDES BILD IST SCHARF, DOCH DIE ERINNERUNG BLEIBT KLAR.»
Tiere sind oft schneller als erwartet, das Licht macht, was es will, und nicht selten lasse ich mich von der atemberaubenden Aussicht so sehr fesseln, dass ich im entscheidenden Augenblick vergesse den Auslöser zu drücken. Genau deshalb möchte ich euch mitnehmen, nicht nur zu meinen unvergesslichsten Momenten, sondern auch zu unerwarteten Begegnungen, kleinen und grossen Abenteuern sowie charmanten Pannen, auch wenn nicht jedes Bild perfekt ist.